Ein wunderbarer Gedanke
Er war schon lange auf der Suche nach dem Glück gewesen. Ob in gefahrvollen Wagnissen in senkrechten Felswänden hoher, eisbedeckter Gipfel oder in tiefen Gefühlen zu anderen Menschen – das geheimnisvolle Ziel ließ sich nicht fassen und blieb außerhalb seines Bewusstseins verborgen. Und obwohl er schon viel über den Sinn seines Lebens und den der Ereignisse dieser Welt nachgedacht hatte, so kam er doch nicht recht weiter, ja die Verwirrung wurde sogar noch größer, je mehr er darüber las und sich mit verschiedenen Wegen beschäftigte, die alle das Heil versprachen.

Als er eines Tages ein Sahaja Yoga Seminar besuchte, wurde die Kundalini-Kraft in ihm erweckt. Er konnte die Bedeutung dieses Vorgangs nicht erfassen, die Kraft war noch schwach in ihm und er konnte ihren kühlen Hauch kaum wahrnehmen.

So begann er regelmäßig zu meditieren, das Geheimnis dieser verborgenen Kraft in sich zu suchen und langsam die Voraussetzungen zu schaffen um Yogi zu werden. Nach einiger Zeit der Übung, saß der Sucher also wieder einmal ruhig mit gekreuzten Beinen auf der Mutter Erde und versuchte seinen Atemrhythmus an den großen Rhythmus des Universums anzupassen und sich tief in sein Inneres zu versenken.

Ein Druckgefühl in Höhe des Herzens behinderte jedoch die Reise in die Tiefe des Selbst. Es wollte keine Freude oder Liebe aufkommen, ja es war, wie wenn unzerreißbare Ketten um das Herz geschlungen wären. Ketten geformt in der Gedankenschmiede des Verstandes. Die Kettenglieder aus Angst und Unsicherheit bestanden aus den stärksten Materialien, die der Verstand zu schmieden mochte. Sie wanden sich fest um die Chakren, versperrt vom falschen Ich mit Schlössern aus mangelnden Vertrauen zu Gott und den Verhaltensmustern extremer Disziplin.

Doch plötzlich war er da, wie ein Funke aus dem Nichts, geboren aus der tiefen Zuneigung zur Mutter des Universums – ein wunderbarer Gedanke – bestehend aus reiner Liebe und Barmherzigkeit. Seine Vibrationen breiteten sich aus und luden die eingerollte Energie im Kreuzbein ein aufzusteigen. Die göttliche Kraft strömte empor und berührte mit Ihrem unvergleichlichen Licht die Energiewirbel entlang der Wirbelsäule. Als sie die Chakras in Höhe des Herzens erreichte, fielen die Ketten ab, als wären sie nie gewesen. Im hellen Licht der Wahrheit war klar zu sehen, dass diese, genährt von negativen Erfahrungen der Vergangenheit, aus mentalen Konzepten und Gewohnheiten bestanden hatten.

Nur dadurch, dass diese Denk- und Verhaltensmuster so lange gehegt wurden, konnten sie sich als feinstoffliche Ketten manifestieren und so die Blockaden im inneren System verursachen. Im erquickenden Licht des Heiligen Geistes brachen sie nun entzwei und die Herzchakren öffneten sich wie aufblühende Lotusse in der Morgensonne.

Endlich hatte die Große Mutter ihr Kind im Geiste wiedergeboren und der Yogi konnte den Duft des Ewigen in seinem Bewusstsein wahrnehmen. Der kühle Hauch des Allmächtigen blies über seine Handflächen und das siebente Chakra hatte sich weit geöffnet. Die geheimnisvolle Kundalinienergie war aufgestiegen, um sich über dem Scheitel des Yogis mit der allesdurchdringenden Kraft der göttlichen Liebe zu verbinden. Wellen der Seligkeit durchströmten den gesamten Körper des Yogi und eine Stille breitete sich in ihm aus, wie er es noch niemals erfahren hatte und ließ ihn jene Liebe erfahren, die unbegrenzt und ewig ist.

Und da erkannte er.


Bericht von Siegi Hadeyer, Österreich